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  • Esther Schweizer

Schneemann's Pups oder doch eine Rede halten ...


Ehe die wirklich besinnlichen Tage beginnen, steht noch die hektische Vorweihnachtszeit an und die Saison der betrieblichen Weihnachtsfeiern ist mittlerweile im vollen Gange. Doch wird auch die eine oder andere Feier gerne erst im neuen Jahr vollzogen ... Jedoch: Es sind gleichfalls die gehassten wie geliebten "geselligen Zusammenkünfte im Kollegenkreise". Dabei separiert sich die Teilnehmerschaft in zwei Gruppen: Diejenigen, die einer Rede oder einem Vortrag lauschen – und die anderen, die diese vorbereiten und halten dürfen (müssen). Gehören Sie zur zweiten Kategorie, sollten Sie sich langsam sputen – glücklicherweise habe ich aber ein paar Tipps und Erläuterungen vorbereitet, die Ihnen höchstwahrscheinlich weiterhelfen können. Bevor es ans Eingemachte geht, möchte ich aber erst einmal die Begrifflichkeiten klären:


Nicht nur wenn es schneit – Rede oder Vortrag?

Vielleicht lagen Sie ja schon spontan richtig – können aber auch etliche Negativbeispiele anführen, in deren schleppenden Verlauf ein Vorgesetzter oder Kollege die inspirierende Weihnachtsrede mit der Möglichkeit verwechselte, sein Nischenwissen in einen unerträglich drögen (norddeutsch für "langweilig") Fachvortrag zu verwandeln – oder die Geschäftsleitung erfolglos versuchte, eine traditionell unterfütterte Floskel nach der anderen in das selbst auferlegte 15-Minuten-Korsett zu pressen. Das ursprünglich stimmungsvolle Licht der elektrischen Glühlampenketten verwandelt die Szenerie in ein gespenstisch bewegungsloses Kabinett, die Stille wird nur durch das – in Frequenz und Umfang stetig zunehmende – Nachschenken der Glühwein- oder Punschgläser unterbrochen. Der Caterer schaut unübersehbar übertrieben auf die Uhr, die Kollegen entnervt zur spärlich dekorierten Saaldecke. Diese negativen Auswirkungen deuten schon dezent auf eines der Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen Fest-rede und Fest-Vortrag hin: Zeitlicher Rahmen und thematischer Bezug …


Klar wie Glatteis – die Unterscheidungsmerkmale oder wenn der Schneemann pupst dann gilt es aufzupassen.


Stil der Darbietung

Festlicher Anlass vorhanden – wie bei einer Weihnachtsfeier, Sommerfeier, einem Jubiläum, einer Hochzeit, einem Geburtstag? Dann reden wir von einer Festrede. Produkteinführung, neue Unternehmensstrategie oder Erweiterung der Vertriebsregion? Klares Indiz für eine Präsentation, einen Impuls- oder Fachvortrag. Auch externe Speaker können hinzugezogen werden, andererseits lassen sich auch Festreden mit – unbedingt gut gemachten – Folien, Videos oder Musikeinspielungen auflockern. Bitte immer im Blick behalten: den Zeitfaktor. Gerade auf Weihnachtsfeiern wird zeitig gegessen.

Zielsetzung

Was genau möchten Sie erreichen? Wenn Sie die Absicht hegen, Ihre Zuhörerschaft zu motivieren, zu informieren und auch zu unterhalten, gelten die gleichen, bereits oben aufgeführten Kriterien. Ihren Auftritts- und Redestil passen Sie dem festlichen Rahmen natürlich an, verbreiten keine schlechte Laune durch Verkündung von Quartalszahlen, die gerade nicht im Plan lagen, Entlassungen oder einem Besinnungsaufsatz über die Vor- und Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge in Zeiten der Digitalisierung.


Zielgruppe oder Publikum

Wenden Sie sich ausschließlich an die Belegschaft, Ihre Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Führungskräfte, sprechen Sie zu einer ganz klar eingegrenzten Zielgruppe. Sind hingegen auch Kunden, Lieferanten, Sponsoren oder Ehrengäste eingeladen, steht bzw. sitzt vor Ihnen ein ebenfalls klar segmentiertes Publikum. Hier geht es darum, dass alle Anwesenden unabhängig von Betriebszugehörigkeit und Fachwissen Ihnen bei Ihren Ausführungen folgen – und über Ihre allgemeinverständlichen Pointen lachen kann. Wenn Sie sich nicht sicher sind, vollführen Sie die Monopoly-Loipe – Gehen Sie zurück auf "Los", nicht ins Gefängnis und fragen Sie sich "Was?", "Warum?" und "Wie?".

Dramaturgie und Inszenierung

Welche Persönlichkeit sind Sie – und welcher Rede- oder Vortragstyp passt zu Ihnen? Versuchen Sie sich nicht zu verstellen oder zu verbiegen – weil Sie vielleicht der Meinung sind, nur als Double von Didi Hallervorden die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörerschaft gewinnen zu können. Das Gegenteil ist eher zu erwarten. Im Vordergrund sollten immer die Basics stehen: Kann man mich auch hinten am Katzentisch gut hören? Sind meine Ausführungen schlüssig und nachvollziehbar? Sind Sie hier auf einem guten Weg (Sicherheit erhalten Sie durch Übungen im wohlgesonnenen Freundes- oder Kollegenkreis), können Sie das nächste Level dazu schalten: Humor, Witze, Gefühle. Im Zweifel – und insbesondere vor Weihnachten – sollten Sie positiven und inspirierenden Emotionen den Vorzug geben. Nörgeleien, oberlehrerhafte Ermahnungen und allgemeiner Wirtschaftspessimismus sorgen erfahrungsgemäß nicht für Standig Ovations, feuchte Augen und einen besinnlichen Festausklang.

Ablesen oder freie Rede?

Diese Frage gehört zu den wichtigsten Weichenstellungen, die Sie im Vorwege in Angriff nehmen sollten. Sind Sie es gewohnt, aus dem Stegreif zu sprechen, und merken Sie bereits instinktiv, wann Ihr Publikum eine Lach- oder Applauspause benötigt, können Sie sich auf Stichworte oder eine Mind-Map auf dem Podium oder auf Karteikarten verlassen. Haben Sie bisher keine nennenswerte Bühnen- oder Sprecherfahrung, sammeln können, nimmt es Ihnen niemand übel, wenn Sie Ihre sorgsam gewählten Worte ablesen, anstatt sie auswendig – und mehr oder weniger überzeugend – vorzutragen. Mein Tipp: Notieren Sie sich dramaturgische Bemerkungen auf Ihr Skript oder Ihre Kärtchen. Diese Unterlagen werden nach dem Ende der Veranstaltung nicht eingesammelt und benotet. Auch das Ablesen und die dazugehörige Variation von Lautstärke, Geschwindigkeit und Tonlage können (und sollten) Sie in einem geschützten Rahmen üben. Dieser kann am Anfang auch einfach nur Ihr Badezimmer sein …

Vorbereitung …

… ist alles. Beantworten Sie rechtzeitig vorher folgende Fragen: Welche Kleidung? Wie sieht die Tontechnik vor Ort aus? Was muss ich mitbringen, was finde ich auf der Bühne vor? Haben Sie Unterstützer oder Stichwortgeber im Publikum? Müssen Sie sich mit dem Phänomen "Lampenfieber" beschäftigen? Wie klingt Ihre Stimme? Umfassende Antworten finden Sie – Achtung, dezente Eigenwerbung – natürlich auch in meinem Buch "Reden? Sicher. Wirken!". Kurzer Spoiler: Alkohol hilft tatsächlich nicht dauerhaft gegen Lampenfieber, selbst wenn es große Schauspieler immer wieder ausprobieren …

Abschluss

Eine ganz dringende Bitte: "Beenden Sie niemals – ich wiederhole betont: "NIEMALS" – eine Festrede, einen Vortrag oder eine andere Darbietung mit der Floskel "Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!" Nutzen Sie die Schlussspannung, um eine dem Anlass angemessene Handlungsaufforderung, ein motivierendes Zitat oder einen Trinkspruch als offiziellen Startschuss für das gesellige Beisammensein zu geben.

Nachbereitung

Nach der Rede ist vor der Rede. Holen Sie sich stets ein unmittelbares Feedback ab – von Personen, die Ihnen zwar grundsätzlich wohlgesonnen sind, sich aber auch nicht scheuen, konstruktive Kritik zu üben. Selbst wenn Sie aufgrund Ihrer Position der Überzeugung sind, dass Sie schon ziemlich hoch auf der Leiter stehen, sollten Sie sich die Chance zur stetigen Verbesserung nicht entgehen lassen. Wie sagte schon die Schauspielerin und Sängerin Lotte Lenya: "Übung ist nützlich, aber es gibt keinen Ersatz für Erfahrung."


Ich wünsche Ihnen frohgestimmte Festtage und alles erdenklich Gute, für Ihre Rede oder Vortrag viel Erfolg.


P.S. Sicher Reden?


Herzlichst, Ihre Esther Schweizer