• Esther Schweizer

Bitte lauter!



Bitte lauter! Viele Frauen sind in nach wie vor männlich geprägten Unternehmenskulturen tätig. Strebt eine Frau hier einen beruflichen Aufstieg und eine Karriere an, reichen oftmals Können und Fachwissen alleine nicht aus. Viele erfolgreiche Frauen berichten, dass neben beruflicher Kompetenz die kommunikative Kompetenz für die Karriere unabdingbar ist. Bittere Tatsache ist, dass Frauen immer noch zu sehr, in der „Falle Bescheidenheit gefangen sind. Unter dem Motto „Ach, meine Leistungen werden schon noch erkannt und mir wird zugehört“. Dann kann es passieren, dass Frauen zu Unrecht und geringschätzig mit ihrer „typisch weiblichen“ Stimme kaum oder gar nicht wahrgenommen werden.

Es liegt mir am Herzen, dass besonders Frauen den Mut haben sich stark zeigen, sich einbringen, ihre Stimme einsetzen und selbstbewusst(er) sprechen. Sicher und wirkungsvoll(er). Sicher und wirkungsvoll aufzutreten und sich zu präsentieren, bedeutet: Es oftmals auszuhalten! Das meine ich vollkommen erst.

In der Praxis sieht es meist so aus, dass für eingespielte „Career Boygroups“ eine selbstbewusste weibliche und laute Stimme, mehr als gewöhnungsbedürftig ist. Klingt schon komisch. Fakt ist. Männliche Ohren, in ihren eingeschweißten „Ritual Zirkeln“, müssen manchmal regelrecht lernen, dass sich eine Frauenstimme anders anhört; anders klingt. Mit anderen Worten, dass eine Frau ihren Raum hör- und sichtbar „einzunehmen“ weiß!

Frei nach Sokrates „Sprich, damit ich Dich sehe“.

Doch was kommt Frauen beim beruflichen Aufstieg immer wieder in die Quere? Adelheid Sailer-Schuster, beantwortete seinerzeit in ihrer Funktion als Präsidentin in der Hauptverwaltung der Deutschen Bank in Hamburg, diese Frage unter anderem mit dem folgenden Statement: „Statt aber nur allein darauf zu starren, dass sich das große Förder-Onkel-Prinzip durchsetzt, muss eine ambitionierte Frau auch selbst einiges klarmachen. Zum Beispiel: Sie muss lernen, lauter zu sprechen […]. Dieses 9 Jahre alte Statement habe ich erneut ausgebuddelt - Quelle Hamburger Abendblatt „Allein unter Männern“, 01.02.2011.

Dieses Zitat hat bis heute nicht an Aktualität verloren. Im Gegenteil. Auch wenn sich die Zeiten zu ändern scheinen. Oder? Sie, sehr geehrte Damen (und auch Sie, geehrte Männer) kennen bestimmt diese erbarmungslosen Momente, in denen ein Präsentator oder eine Sprecherin lautstark aufgefordert wird, doch lauter zu sprechen. Hier können wir tatsächlich von Glück reden, wenn jemand – so unangenehm es ist – aufgefordert wird, lauter zu sprechen. In den allermeisten, besonders konkurrierenden Situationen, fordert Sie kein Mensch freundlichst dazu auf, Ihre Inhalte, Botschaften und Ideen lauter zu Gehör zu bringen.

Überhört zu werden, ist wirklich keine schöne Angelegenheit. Besonders wenn eine nach uns sprechende Person, vielleicht der Kollege oder ein Teammitglied, „schnell mal eben“ unsere guten Ideen, Vorschläge und Inhalte aufgreift und diese dann, stimmlich prägnanter, als seine eigenen Ideen „verkauft“. Meist mit Erfolg für den männlichen Sprecher. Was tun Sie? Schauen Sie stumm in die Runde und ärgern sich still? Vielleicht tauschen Sie sich erst hinterher, in geschützter Runde, mit Ihren Kolleginnen und im Team über dieses Unrecht aus? Voller Inbrunst wird dann festgestellt „das kann doch wohl alles nicht wahr sein!“

Wenn Sie diese Situationen bereits erlebt haben, wissen Sie nur zu gut, dass die Verärgerung umso größer wird, desto größer die Menge an unschönen Erfahrungen ist. Unweigerlich sinken die Frustrationstoleranz und die Schmerzgrenze in unserem beruflichen Tun, mit dem Resultat, dass die eigene Achtsamkeit und Präsenz immer geringer wird. Ihre Wirkkompetenz lassen sich bildlich gesprochen, einfach vom Brot nehmen und reichen die Konfitüre gleich hinterher.

Sie zweifeln? Wie sagt bereits René Descartes „Der Zweifel ist der Weisheit Anfang“.

Sie können das ändern. Steuern Sie mit Ihrem persönlichen #Auftreten, Ihrem stimmlichen Einsatz markant dagegen. Entwickeln Sie Strategien und setzen Sie diese karrierefördernd, bewusst ein. Ein erster Schritt ist es zu zulassen, dass ein Wortbeitrag, eine Präsentation oder Vortrag, immer eine Form von Auftritt ist. Richtig. Jeder Auftritt verlangt nach einer Bühne. Nicht umsonst wird von der beruflichen Bühne gesprochen oder den „Bühnen des Lebens“. Ob Ihnen das nun gefällt oder nicht. Mit anderen Worten, trauen Sie sich Ihren kommunikativen Blickwinkel genauer zu justieren – mit allen Sinnen.

Warum? Die zwischenmenschliche Kommunikation verlangt mittlerweile eine besondere strategische Kunstfertigkeit. Rhetorik? Schön und gut. Doch reicht das aus?

  • Welche Strategien verfolgt Ihr Gesprächspartner?

  • Wie verhält er oder sie sich im Raum?

  • Lassen Sie sich durch eine dominante Körpersprache einschüchtern?

  • Wissen Sie um die Macht der Pausen?

  • Wie gehen Sie damit um, wenn Sie verbal attackiert werden?


Wenn die Spielregeln und Statusspiele erkannt und entsprechend abgewehrt oder umgemünzt werden (können), sind Sie auf der Bühne und dem Parkett, bereits ein paar taktische Schritte weiter und „Bitte lauter“, kann Sie dann hoffentlich nicht mehr erschüttern. Denn: Jetzt gilt es gekonnt zu kontern. Nur Mut!

Einige Textpassagen (leicht angepasst) sind aus meinem Ratgeber >Erfolgsfaktor Stimme – Stimmtraining für Frauen<


Herzlichst, Ihre Esther Schweizer



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